Geographisch gesehen befindet sich die Goitzsche zwischen 12° und 13° östlicher Länge sowie zwischen 51° und 52° nördlicher Breite. Sie liegt im Gebiet der unteren Mulde, am Rande des mitteldeutschen Trockengebietes. Im Bereich des Binnenlandklimabezirks Elbaue liegen die Niederschläge im langjährigen Mittel von 530 mm relativ niedrig. Die langjährige mittlere Jahrestemperatur liegt bei 8,7°C.

Das Sanierungsgebiet Goitzsche mit seinen zahlreichen Baufeldern und heutigen Tagebaurestlöchern liegt im Zentrum des Bitterfelder Braunkohlereviers, umringt die Stadt Bitterfeld vom Nordosten bis zum Südwesten und umfaßt ein bergbaulich beanspruchtes Areal von ca. 62 km². Die Bergbaufolgelandschaft verteilt sich zu ca. zwei Drittel auf das Land Sachsen Anhalt und zu einem Drittel auf den Freistaat Sachsen.

Die Goitzsche befindet sich im Einzugsbereich dreier großer naturräumlicher Gliederungseinheiten. In nord-östlicher Richtung grenzt das Gebiet an die Dübener und Dahlener Heide, südlich an die Leipziger Tieflandsbucht und im Nord-Westen an die Köthener Lößebene.

 

Der Begriff „Goitzsche“ stammt aus der slawischen Sprache der Sorben, die ab ca. 600 nach Chr. neben anderen slawischen Völkern östlich der Elbe in den von den Germanen verlassenen Gebieten siedelten. „Goitzsche“ bedeutet so viel wie „Gottes Aue“ und war die Bezeichnung für den ca. 760 ha großen Auwald, der sich vor Eingriff des Menschen im heutigen Kern des Tagebauareals befand und an den nur noch wenige erhaltene Reliktbestände erinnern. Der Name des Auwaldes hat sich im Laufe der Jahrhunderte mehrfach gewandelt. 1220 als „Gotsaw“ benannt, trifft man 1323 auf die Schreibweise „Gotowe“ und schließlich war der Bezeichnung „Goitzsche“ geläufig. Als man Anfang des 20. Jahrhunderts neue Karten des Waldgebietes erstellte, schrieb man den Namen „Goitsche“, der sich über die Zeit des Bergbaus hielt.

Heute kehrt man wieder zur ursprünglichen Schreibweise „Goitzsche“ zurück und bezeichnet damit das gesamte Tagebausanierungsgebiet südöstlich von Bitterfeld.

 

KLOTZ (1905) beschrieb die historische „Goitzsche“ als „mäßig großer Wald, der sich am Westrand des Muldentales zwischen den Nebenflüßchen der Mulde, dem Lober und der Leine, 5 km lang in südöstlicher Richtung“ von Bitterfeld aus erstreckt.

Nach DORN (1998) war die Goitzsche „zum größten Teil Auwald, d.h. ein gemischter Laubwald, der im Überschwemmungsgebiet der Flußniederungen liegt.“ Ein Teil im Süden hatte „den Charakter eines Bruchwaldes, im Südwesten“ zeigten „ drei etwas getrennte Gebiete den Charakter des trockenen Kiefernwaldes“. Die botanische und faunistische Artenvielfalt war aufgrund der Vielgestaltigkeit der Biotope sehr ausgeprägt.

An den Hängen zum Urstromtal der Mulde wuchsen als ursprüngliche Vegetation Eichen-Ulmen-Hainbuchen-Wälder. In der Aue breitete sich der Hartholzauewald aus, der auf flußnahen Standorten vom Weichholzauewald abgelöst wurde. Auf flußfernen, durch Quell- und Grundwasser geprägten Niedermoorstandorten befanden sich Erlenbrüche und Erlen-Eschen-Wälder.

Schon vor Beginn des großflächigen Braunkohleabbaus lassen sich menschliche Eingriffe in den Naturhaushalt bennen: Da die Wasserläufe des Lobers, der Leine und insbesondere der Mulde regelmäßig über ihre Ufer traten und auch ihren Lauf veränderten, wurden sie mehrfach umgelegt, um die Dörfer nicht zu gefährden. Die Ausbeutung der Landschaft führte zum Verlust von Wäldern, dessen Eichenbestand der Finanzierung des Siebenjährigen Krieges geopfert wurden.

Dennoch blieb die durch stark mäandrierende Fluß- und Bachläufe geprägte Landschaft der Goitzsche bis ca. 1949 im Wesentlichen erhalten. Die Region war bis dahin dörflich und landwirtschaftlich geprägt: Der Anteil der Forstflächen und Auewiesen lag bei je 20  %. Die Ackerflächen nahmen 55 % ein und der Anteil der Siedlungsflächen betrug 5 %.

 

Die Kohlelagerstätte im Raum Bitterfeld entstand vor ca. 22 Mio. Jahren im Oligozän, einer Unterstufe desTertiär. Am Aufbau der Lagerstätte sind neben oberoligozänen Sanden und Tonen auch 8-12 m mächtige pleistozäne Kiese beteiligt. Die ersten Braunkohlenfunde im Gebiet um Bitterfeld gehen auf das Ende des 17. Jahrhunderts (1680) zurück. Mitte des 19. Jahrhunderts begannen die ersten bergbaulichen Aktivitäten mit dem Aufschluß der Grube Auguste (1837), dem heutigen Gänsesee im Südwesten der Goitzsche, nahe der Ortschaften Petersroda und Holzweißig. Damals umfaßte die Tagebaufläche lediglich ca. 6 ha. Dem Braunkohleflöz folgend, bewegte man sich dann mit dem Abbau von West nach Ost. Abnehmer des hochwertigen Brennstoffs waren in ertser Linie ansässige Tuchfabriken, Färbereien, Zuckerfabriken, Brennereien, Kleingewerbe und der Hausbrand. Mit den Kohlegruben entstanden eine Vielzahl von Ziegeleien, die den im Deckgebirge anstehenden Ton (3-10 m Mächtigkeit) an Ort und Stelle zu Ziegeln brannten.

Mit der Eröffnung der Bahnlinien Bitterfeld-Dessau und Bitterfeld-Halle/Leipzig dehnte sich der Absatzmarkt für die Kohle bis nach Halle, Wittenberg, Berlin und Leipzig aus, die die Erschließung weitere Gruben zur Folge hatte. Konkurrenz und Überproduktion führten gegen Ende des 19. Jhds. zu einer zunehmenden Mechanisierung der Kohleförderung. Die Ansiedlung von Betrieben der chemischen Industrie und deren erhöhter Bedarf an Elektroenergie führte zu einer erneuten Erschließung von Kohlegruben sowie dem Bau größerer Kraftwerke.   

1908 wurde der erste Großtagebau, die Grube Leopold erschlossen. Bis zu Beginn des großflächigen Abbaus Mitte des 20. Jahrhunderts hielten sich der Förderleistung und Flächenverbrauch in Grenzen. Aufgrund des hohen Bedarfs an fossilen festen Brennstoffen in den folgenden Jahrzehnten stieg die Förderleistung rapide an und der Flächenverbrauch dehnte sich auf 6000 ha aus.

1948/49 begann der Aufschluß der Grube Goitzsche und damit der großflächige Abbau der Braunkohle. 1952 verließ der erste Kohlezug aus dem Neuaufschluß die Goitzsche. Die Grube Leopold wurde ab 1945 unter dem Namen Holzweißig–Ost bis 1962 weitergeführt. 1958 erfolgte der Aufschluß des Tagebaus Holzweißig-West. In diesen 3 Tagebauen des Gebiets wurde über 80 Jahre lang Braunkohle abgebaut.

Zur Freimachung des Geländes für den Braunkohletagebau wurde innerhalb von 2 Jahren der 14 km lange Lober-Leine-Kanal zur Aufnahme des Wassers der beiden Bäche Lober und Leine und dessen direkter Ableitung in die Mulde gebaut.

1975 verlegte man das Flußbett der Mulde über eine Strecke von 9,2 km, um den vollständigen Abbau der Lagerstätten zu gewährleisten. Die Verlegung der Mulde stellte das größte wasserbauliche Projekt der 70er Jahre in ganz Deutschland dar.

Neben der Kohleförderung wurde auch Bernstein in der Goitzsche gewonnen. Es handelte sich um den größten Bernsteintagebau in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg. Seit 1848 hatte man immer wieder kleine Funde bernsteinartigen Harzes dokumentiert, erlangte damit aber kaum Aufmerksamkeit bis 1933 erstmals erneute Funde wissenschaftlich untersucht wurden. Das Bitterfelder Bernsteinvorkommen wurde 1955 im Tagebau Goitzsche freigelegt. Die eingehende Lagerstätten- und geologische Erkundung erfolgte ab 1975. Kurz danach begann die Gewinnung des Materials, vornehmlich für die Schmuckindustrie. Bis zu 50 Tonnen Bernstein pro Jahr wurden gefördert und sortiert.

Eine weitere geologische Besonderheit stellen 4000-6000 Jahre alte Mooreichenstämme dar, die in den oberen Schichten des Deckgebirges eingelagert waren und beim Abtragen gefunden wurden. Sie weisen teilweise Spuren menschlicher Bearbeitung auf und lassen die Vermutung zu, daß aus dem Holz Arbeitsgeräte hergestellt wurden.

1976 beginnt die Flutung des Tagebaurestlochs Muldenstein, durch die der Muldestausee entsteht. Nach der Stilllegung dieses Teilgebiets folgen weitere, wie z.B. die Aufgabe des Gebiets Holzweißig-West 1980.

Die Bedarfsveränderung an fossilen festen Brennstoffen nach der Wiedervereinigung zwang zu einem abrupten Ende der Braunkohleförderung. 1991 wurde der Tagebau Goitzsche stillgelegt. In den kommenden Jahren folgten sämtliche Gruben rund um Bitterfeld. 

Über 80 Jahre Abbautätigkeit in drei Tagebauen hinterließen eine ca. 62 km² große Sanierungslandschaft, von der allein 36 km² vom Tagebau Goitzsche in Anspruch genommen werden. Insgesamt wurden 1,275 Mrd. m³ Rohbraunkohle gewonnen und 498,7 Mio. t Abraum bewegt. 30-40 m Deckgebirge mußten abgetragen werden, um das 10-12 m mächtige Bitterfelder Kohleflöz gewinnen zu können. Die ursprünglich reich strukturierte Natur- und Kulturlandschaft wurde größtenteils unwiederbringlich zerstört. Dem Tagebau fielen die Ortschaften Paupitzsch, Niemegk, Döbern, Seelhausen und ein Ortsteil von Petersroda zu Opfer, deren Einwohner man umgesiedelte. Weiterhin wurden einige Bundesstraßen und die Eisenbahnstrecke zwischen Delitzsch und Bitterfeld umverlegt.

1990 wurde das Naturschutzgebiet „Paupitzscher See“ festgesetzt. Die Flutung erfolgt durch Eigenaufkommen, der Endwasserstand von +77,0 NN wird voraussichtlich 2015 erreicht.

1991 begannen die Sanierungsmaßnahmen der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) in Bezug auf Standsicherheit der Böschungen, Demontage der Tagebaugroßgeräte und Schienenfahrzeuge, Rückbau der Gleisanlagen und Rohrleitungen, Ausräumung kontaminierter Stoffe sowie wasserbauliche Maßnahmen. Während des Zeitraums vom 1991 und 1998 wurden ca. 56 Mio. m³ Sanierungsabbraum bewegt. Zur Gewährleistung der geotechnischen Sicherheit war eine Wasserhebung von 366 m³ notwendig. Rekultivierungmaßnahmen erstreckten sich auf ca. 830 ha. Dieses Areal wurde einerseits begrünt und in forstwirtschaftliche Nutzung überführt (500 ha) und andererseits mit einer Zwischenbegrünung versehen (300 ha).

Seit Mai 1999 wird die Goitzsche mit Fremdwasser aus der Mulde geflutet. Der endgültige Wasserstand wird voraussichtlich 2001 erreicht sein.

Im Jahr 2 000war die Kulturlandschaft Goitzsche als Zukunftsprojekt in Bezug auf Landschaftsgestaltung, städtebauliche Entwicklung und Kunst Korrespondenzstandort der EXPO 2000 in Sachsen-Anhalt.